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Kartieranleitungen in Nordrhein-Westfalen


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Steckbrief des Biotop- und Lebensraumtypenkatalog NRW

6110* Lückige basophile oder Kalk-Pionierrasen (Alysso-Sedion albi)tlw. §30

Dies sind Eigenschaften eines LRT, die insgesamt erfüllt sein müssen, damit ein konkreter Bestand bzw. eine Biotoptypenfläche einem Lebensraumtyp zugeordnet werden kann. Zu den Definitionskriterien gehören (Prioritätenreihenfolge): die relevanten Definitionen, die Standörtlichen Angaben, die ausschließlich zulässigen Biotoptypen, die obligat zutreffenden Eigenschaften (als Zusatzcode), die diagnostisch relevanten Arten, die typischen Syntaxa sowie die Beachtung der Abgrenzungen gegenüber verwandten Lebensraumtypen.

deckt sich teilweise mit: 3. offene Binnendünen, offene natürliche Block-, Schutt- und Geröllhalden, Lehm- und Lösswände, Zwergstrauch-, Ginster- und Wacholderheiden, Borstgrasrasen, Trockenrasen, Schwermetallrasen, Wälder und Gebüsche trockenwarmer Standorte; Deckt sich teilweise mit: 5. offene Felsbildungen, alpine Rasen sowie Schneetälchen und Krummholzgebüsche

(Fauna-Flora-Habitat) Richtlinie 2006/105/EG DES RATES vom 20. November 2006: 6110 * Lückige basophile oder Kalk-Pionierrasen (Alysso-Sedion albi)

Interpretation Manual EU27: 6110 * Rupicolous calcareous or basophilic grasslands of the Alysso-Sedion albi PAL.CLASS.: 34.11
1) Open xerothermophile pioneer communities on superficial calcareous or base-rich soils (basic volcanic substrates), dominated by annuals and succulents of the Alysso alyssoidis-Sedion albi Oberdorfer & Müller in Müller 61. Similar communities may develop on artificial substrates; these should not be taken into account.
2) Plants: Alyssum alyssoides, Arabis recta, Cerastium spp., Hornungia petraea, Jovibarba spp., Poa badensis, Saxifraga tridactylites, Sedum spp., Sempervivum spp., Teucrium botrys.
3) Corresponding categories German classification: "320101 natürlicher Karbonatfels (Kalk, Dolomit) (lückige Vegetation, P002)". Nordic classification: Asplenium ruta-muraria-Asplenium trichomanes-Homalothecium sericeum-variant of "Sedum album-Tortella spp.-typ".
4) In some regions of Belgium and Germany this habitat is very closely linked with Xerobromion and Mesobromion associations.

Bundesnaturschutzgesetz § 30 Gesetzlich geschützte Biotope: Trockenrasen
Die Trockenrasen (i.w.S.) schließen das natürliche und anthropozoogene Grünland trockenwarmer Standorte ein. Dazu gehören die Mauerpfeffer-Pioniertrockenrasen (Sedo-Scleranthetea) und die Schwingel-Trespen-Trockenrasen (Festuco-Brometea). Trockenrasen können auf flachgründigen Felsböden, auf trockenen Sandböden, aber auch v.a. in südexponierter Lage und bei subkontinentalem Klima auf tiefgründigen Schluff- und Lehmböden vorkommen. Natürliche waldfreie Trockenrasen existieren nur kleinflächig an extremen Standorten, z.B. an sehr flachgründigen Steilhängen. Der weitaus größte Teil des trockenen Grünlands sind Halbtrockenrasen, d.h. durch extensive Mahd oder Beweidung entstandene Kulturformationen. Bei extensiver Beweidung findet man oft typische Weidegebüsche wie z.B. Wacholder (Juniperus communis; Wacholderheiden Süddeutschlands), Weißdorn (Crataegus spp.) und Rosen. Trockenrasen sind außerordentlich artenreich, Lebensraum zahlreicher geschützter und gefährdeter Tier- und Pflanzenarten und durch Nutzungsaufgabe oder Intensivierung stark zurückgegangen.
Natürliche Felsbildungen, offene natürliche Blockschutt- und Geröllhalden aus unterschiedlichen Gesteinen im Mittelgebirge mit meist schütterem Pflanzenbewuchs aus Moosen, Flechten und höherer Geröll- bzw. Steinschuttvegetation.
Zu den natürlichen Felsbildungen zählen Felsköpfe, Felswände, Felsbänder und Felsspalten mit ihrer typischen Felsvegetation aus Moos- und Flechtengesellschaften, aber auch aus niederwüchsigen Gräsern und Kräutern. In den Felsspalten sind häufig Farne und einzelne Gehölze zu finden.

Definition für NRW (gilt im Zusammenhang mit den u.st. definitorischen Rubriken): Offene lückige Vegetation auf Felskuppen, Felsschutt und Felsbändern, meist von einjährigen oder sukkulenten Arten beherrscht. Natürliche Vorkommen sind i.d.R. auf kalk- oder basenreichen Hartsubstraten ausgebildet. Sekundärstandorte mit naturnaher Entwicklung (z.B. alte aufgelassene Steinbrüche und Halden) gehören ebenfalls zu diesem Typ. Vor allem innerhalb beweideter Kalkhalbtrockenrasen (FFH-Lebensraumtyps 6230) können auf darin befindlichen kleineren Kalkfelsen oder auf Kalkfelsgrus lückige, flechten-, moos- und therophytenreiche Kalk-Pionierrasen (Alysso-Sedion) auftreten. Sie wachsen auf an Feinerde armen Rohböden oder auf Kalk- und Gipsfels und werden meist von einjährigen oder dickblättrigen Arten wie Wimper-Perlgras oder verschiedenen Mauerpfeffer-Arten beherrscht.
Die Abgrenzung des LRT 6110 ist anhand der Verbände Alysso-Sedion und Seslerio-Festucion mit Diantho-Festucetum und Teucrio-Melicetum vorzunehmen. Zur Unterscheidung zu den silikatisch geprägten LRT (besonders 8230) wird primär das Ausgangsgestein berücksichtigt. Dabei ist zu beachten, dass neben Kalk und Dolomit auch Gips, Basalt und Marmor zu den basenreichen Gesteinen zählen.
Vorkommen auf Trockenmauern und kurzzeitigen Ablagerungen (z.B. Deponien) gehören nicht zum Typ. Ausgeschlossen sind auch geschlossene Rasen des Lebensraumtyps 6210 Trespen-Schwingel Kalktrockenrasen sowie verbuschte oder bewaldete Felsbereiche.

Verlust des LRT-Status:
Für die Einstufung als FFH-Lebensraumtyp 6110 muss mindestens eine LR-typische Gefäßpflanzenart oder eine LR-typische Flechten- oder Moosart nachgewiesen werden.

Kalk- oder basenreiche Felsbänder, Feinschutt oder Rohböden, zumeist unbeschattet

GA1 = natürlicher Kalkfels
GA3 = sekundärer Kalkfels
GB1 = natürliche Kalk-Blockschutt- / Feinschutthalde
GB3 = sekundäre Kalk-Blockschutt- / Feinschutthalde
GF1 = Vegetationsarme Kies- und Schotterflächen

os = gesellschaftstypische Artenkombination vorhanden
oq = lückige Vegetationsdecke, ohne geschlossene Krautschicht

stb = basenreich, stb1 = kalkreich, tg = moosreich, ti = flechtenreich

a) Gefäßpflanzen:
Acinos arvensis (Steinquendel), Alyssum alyssoides (Kelch-Steinkraut), Cerastium brachypetalum (Kleinblütiges Hornkraut), Cerastium glutinosum (Bleiches Zwerg-Hornkraut), Cerastium pumilum (Dunkles Zwerg-Hornkraut), Festuca pallens (Blasser Schafschwingel), Hieracium bifidum (Gabeliges Habichtskraut), Hieracium hypochoeroides (Wiesbaurs Habichtskraut), Hieracium onosmoides (Lotwurzblättriges Habichtskraut), Hieracium schmidtii (Blasses Habichtskraut), Melica ciliata (Wimper-Perlgras), Microthlaspi perfoliatum (Stengelumfassendes Hellerkraut), Minuartia hybrida (Schmalblättrige Miere), Saxifraga tridactylites (Finger-Steinbrech), Sedum acre (Scharfer Mauerpfeffer), Sedum album (Weisse Fetthenne), Sedum sexangulare (Milder Mauerpfeffer), Teucrium botrys (Trauben-Gamander)
b) Moose:
Encalypta rhaptocarpa var. trachymitria (Streifenfrüchtiger Glockenhut), Encalypta vulgaris (Gemeiner Glockenhut), Pottia lanceolata (Lanzettblättriges Pottmoos)
c) Flechten:
Cladonia rangiformis (Falsche Rentierflechte), Leptogium lichenoides s.l., Leptogium schraderi, Peltigera canina (Hundsflechte), Peltigera ponojensis, Peltigera rufescens

Verband: Alysso-Sedion - ALSN-V
Ass./Ges.: Cerastietum pumili - CPUM
Ass./Ges.: Saxifrago tridactylites-Poetum compressae - SA-PO
Ass./Ges.: Alysso-Sedetum - A-SE
Verband: Seslerio-Festucion pallentis - SFPN-V
Ass./Ges.: Diantho gratianopolitani-Festucetum pallentis - DI-FE p. p. (siehe LRT 8230)
Ass./Ges.: Teucrio botryos-Melicetum ciliatae - TE-ME
Verband: Aspicilion calcareae - Li-Aspca-V
Verband: Aspicilion contortae - Li-Aspco-V
Verband: Cladonion rei - Li-Clr-V
Verband: Toninion coeruleonigricantis - Li-Tc-V

Standörtlich naheliegende Missverständnisse:
Abgrenzung zu LRT 8210:
Für die Ausbildung des Lebensraumtyps 8210 Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation sind die farnreichen Ausbildungen der Asplenietea trichomanis (Potentillion caulescentis, Cystopteridion fragilis) maßgebend.
Abgrenzung zu LRT 8220/8230:
Zur Unterscheidung zu den silikatisch geprägten LRT 8220 Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation und LRT 8230 Silikatfelskuppen mit Pioniervegetation wird primär das Ausgangsgestein berücksichtigt. Dabei ist zu beachten, dass neben Kalk und Dolomit auch Gips, Basalt und Marmor zu den basenreichen Gesteinen zählen.

Dies sind Hinweise für die Kartierung, damit im Gelände die definitionsrelevanten Eigenschaften einer Biotoptypenfläche optimal erkannt und identifiziert werden kann.

Biogeographische Anmerkungen:

Link zur Verbreitungskarte:
http://ffh-bericht-2013.naturschutzinformationen.nrw.de/ffh-bericht-2013/de/nrw-bericht-karten/anhang-d/lrt/6110/atl

Aktuelle Änderungen der Kartiermethode:
März 2015: Änderung Bereich "Kartierungshinweise - Kartierung der Geschützten Biotope gemäß § 30 BNatSchG bzw. § 62 LG NW "; Ergänzung "auf Primärständorten"; Diagnostische Arten: Hieracium wiesbaurianum --> H. hypochoeroides, Thlaspi perfoliatum --> Microthlaspi perfoliatum

Biotopkataster - Kartierung:
Alle bekannten Vorkommen des prioritären FFH-Lebensraumtyps 6110 werden in das Biotopkataster übernommen. Der Lebensraumtyp 6110 wird meist als punktförmiges BT-Objekt innerhalb eines flächigen BT-Objektes (z.B. des LRT 8210) erfasst. Die Sachdaten werden als Gesetzlich geschützter Biotop gekennzeichnet. In die Objektklasse BK werden die Daten ebenfalls entsprechend eingefügt. In alten aufgelassenen Kalksteinbrüchen treten auch größere Kalk-Pionierrasen des Alysso-Sedion auf, die in diesen Fällen als BT-Flächen erfasst werden.

Biotoptypenkartierung

• in FFH-Gebieten, Naturschutzgebieten, Geschützten Biotopen, NSG-würdigen Biotopen:
Grundsätzlich sollte möglichst der gesamte Felsbereich mit Vorkommen der entsprechenden Vegetationseinheiten abgegrenzt werden. Dabei können kleinere vegetationsfreie Felspartien in die Abgrenzung mit einbezogen werden. Die Vorkommen des Lebensraumtyps sind meist nur punktförmig zu erheben und befinden sich oft inmitten flächig ausgebildeter Vorkommen anderer Lebensraumtypen (z.B. 6210 Trespen-Schwingel Kalktrockenrasen, 8160 Kalkschutthalden, 8210 Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation). Die Flächengröße muss dann im Eingabeprogramm unter „offizielle Fläche“ in ha mit vier Nachkommastellen eingetragen werden. So kann die Fläche des Lebensraumtyps auf den Quadratmeter genau angegeben werden.
Der Lebensraumtyp 6110 wird in jedem Fall der Biotoptypenkartierung unterzogen und als Gesetzlich geschützter Biotop gekennzeichnet.
Die Ergebnisse werden in allen Fällen in Objekte des Biotopkatasters übertragen oder aggregiert.
Der LRT 6110 erfährt in FFH-Gebieten immer eine Erhaltungszustandsbewertung einschließlich einer Dokumentation der Einzelparameter.
• in ÖFS-Flächen und im Biotop-Monitoring (BM):
Auf ÖFS-Untersuchungsflächen werden alle vorkommenden Biotoptypen flächenscharf, somit auch alle FFH-Lebensraumtypen, erfasst und kartiert. Jeder lückige Kalk-Pionierrasen wird als homogene Fläche kartiert. Benachbarte unterschiedliche Strukturtypen desselben Biotoptyps werden gesondert erfasst. Die Erfassung von Biotopkomplexen bzw. Kettenbiotopen ist nicht zulässig.

Im Biotopmonitoring (BM) werden in NRW alle Vorkommen dieses Lebensraumtyps aufgrund seiner Seltenheit im Totalzensus kartiert. LINK zur Kartieranleitung ÖFS/BM: http://www.naturschutzinformationen-nrw.de/methoden/de/downloads


LINK zur Kartieranleitung ÖFS/BM:
http://methoden.naturschutzinformationen.nrw.de/methoden/web/babel/media/oefs-erhebungsb%C3%B6gen.zip

LINK zur Bewertungsmatrix:
https://www.lanuv.nrw.de/natur/eingriffsregelung/numerische_bewertung_von_biotoptypen/