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Kartieranleitungen in Nordrhein-Westfalen


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Steckbrief des Biotop- und Lebensraumtypenkatalog NRW

9110 Hainsimsen-Buchenwald

letzte Änderung: 2018-12-20 --> s. Kartierungshinweise

Dies sind Eigenschaften eines LRT, die insgesamt erfüllt sein müssen, damit ein konkreter Bestand bzw. eine Biotoptypenfläche einem Lebensraumtyp zugeordnet werden kann. Zu den Definitionskriterien gehören (Prioritätenreihenfolge): die relevanten Definitionen, die Standörtlichen Angaben, die ausschließlich zulässigen Biotoptypen, die obligat zutreffenden Eigenschaften (als Zusatzcode), die diagnostisch relevanten Arten, die typischen Syntaxa sowie die Beachtung der Abgrenzungen gegenüber verwandten Lebensraumtypen.

kein § 30 BNatSchG Biotoptyp

(Fauna-Flora-Habitat) Richtlinie 2006/105/EG DES RATES vom 20. November 2006: 9110 Hainsimsen-Buchenwald (Luzulo-Fagetum)

Interpretation Manual EU27: 9110 Luzulo-Fagetum beech forests PAL.CLASS.: 41.11
1) Fagus sylvatica and, in higher mountains, Fagus sylvatica-Abies alba or Fagus sylvatica-Abies alba-Picea abies forests developed on acid soils of the medio-European domain of central and northern Central Europe, with Luzula luzuloides, Polytrichum formosum and often Deschampsia flexuosa, Calamagrostis villosa, Vaccinium myrtillus, Pteridium aquilinum. The following sub-types are included:
41.111 Medio-European collinar woodrush beech forests
Acidophilous Fagus sylvatica forests of the lesser Hercynian ranges and Lorraine, of the collinear level of the greater Hercynian ranges, the Jura and the Alpine periphery, of the western sub-Pannonic and the intra-Pannonic hills, not or little accompanied by self sown conifers, and generally with an admixture of Quercus petraea, or in some cases Quercus robur, in the canopy.
41.112 Medio-European montane woodrush beech forests
Acidophilous forests of Fagus sylvatica, Fagus sylvatica and Abies alba or Fagus sylvatica, Abies alba and Picea abies of the montane and high-montane levels of the greater Hercynian ranges, from the Vosges and the Black Forest to the Bohemian Quadrangle, the Jura, the Alps, the Carpathians and the Bavarian Plateau.
2) Plants: Fagus sylvatica, Abies alba, Picea abies, Luzula luzuloides, Polytrichum formosum and often Deschampsia flexuosa, Calamagrostis villosa, Vaccinium myrtillus, Pteridium aquilinum.
3) Corresponding categories Nordic classification: "2221 Fagus sylvatica-Deschampsia flexuosa-Vaccinium myrtillus-typ"
5) Lindgren, L. (1970). Beech forest vegetation in Sweden - a survey. Bot. Notiser 123:401-421.

Definition für NRW (gilt im Zusammenhang mit den u.st. definitorischen Rubriken): Bodensaure, meist krautarme Buchenwälder mit einem Anteil von mindestens 70% lebensraumtypischer Baumarten und einem Anteil der Buche in der 1. und/oder 2. Baumschicht und/oder in der Strauchschicht von mehr als 30 Prozent.
LR-typische Baumarten benachbarter Wald-Lebensraumtypen, die bei den diagnostischen Arten nicht aufgeführt sind, gelten immer als LRT-Baumarten.
Häufig auch begleitet von Eiche (Quercus petraea, Quercus robur) in der Baumschicht bis in die montane Stufe (mit Hochstauden in der Krautschicht). Eingeschlossen sind auch bodensaure naturnahe Flachland-Buchenwälder, die z.T. als eigene Assoziationen beschrieben sind. Dies schließt auch buchenreiche Ausbildungen des Periclymeno-Fagetum und des Maianthemo-Fagetum (nährstoffarmer Flügel) mit ein.

Verlust des LRT-Status:
Bestände mit einem Anteil von mehr als 70 Prozent lebensraumtypischen Baumarten in der Baum- und Strauchschicht gehören noch zum LRT.
Ebenso können Ausbildungen mit Störzeigerarten in der Kraut- und Strauchschicht mit einer Deckung von weniger als 50 Prozent, bei Beteiligung von Brombeere (Rubus sectio Rubus) auch mehr als 50 Prozent noch zum Lebensraumtyp zählen.
Wälder mit 30 bis zu 50% Nadelholzanteil können ausnahmsweise und begründet als 9110 codiert werden, wenn mehr als 50% Buchenanteil UND eine LRT-typische (9110) Krautschicht vorliegt. Entsprechende Hinweise zur Verringerung des Nadelholzanteils sind unter Maßnahmenvorschläge anzugeben.

Böden meist über silikatischem Festgestein, auf Kolluvien oder über sandigen Sedimenten entwickelt: Ranker, Braunerden z.T. podsoliert, Oberboden sauer, Humusform i.d.R. Moder oder Rohhumus.

AA0 = Buchenwald
AA1 = Eichen-Buchenmischwald
AA2 = Buchenmischwald mit heimischen Laubbaumarten
AA3 = Buchenmischwald mit nicht heimischen Laubbaumarten
AA4 = Buchenmischwald mit Nadelbaumarten
AB1 = Buchen-Eichenmischwald
AG2 = Sonstiger Laubmischwald einheimischer Arten (ohne dominante Art)
AU0 = Aufforstung, Pionierwald
BA1 = flächiges Kleingehölz mit vorwiegend heimischen Baumarten

Weitere Waldbiotoptypen sind zulässig, wenn durch einen hohen Anteil der Buche in der Strauchschicht (dominant) ihr Anteil insgesamt mehr als 30% erreicht.

sta = basenarm

gd = Gebüsch, Pionier-, Vorwaldstadium, os = gesellschaftstypische Artenkombination vorhanden, ta = starkes Baumholz (BHD 50 bis 80 cm), ta1 = mittleres Baumholz (BHD 38 bis 50 cm), ta11 = sehr starkes Baumholz (BHD 80 bis 100 cm), ta12 = Blöße, ta2 = geringes Baumholz (BHD 14 bis 38 cm), ta3 = Stangenholz (BHD 7 bis 14 cm), ta4 = Dickung (BHD bis 7 cm), ta5 = Jungwuchs (Pflanzung oder Naturverjüngung), td = Niederwaldstrukturen erkennbar, te = Mittelwaldstrukturen erkennbar

a) Hauptbaumarten:
Fagus sylvatica (Rotbuche)
b) Neben- und Pionierbaumarten:
Betula pendula (Sand-Birke), Carpinus betulus (Hainbuche), Quercus petraea (Trauben-Eiche), Quercus robur (Stiel-Eiche), Salix caprea (Sal-Weide), Sorbus aucuparia (Gewöhnliche Eberesche)
b1) über 200m ü.NN auch:
Acer pseudoplatanus (Berg-Ahorn)
c) Straucharten:
Ilex aquifolium (Stechpalme), Sambucus racemosa (Trauben-Holunder)
d) Krautige Arten:
Blechnum spicant (Rippenfarn), Carex pilulifera (Pillen-Segge), Deschampsia flexuosa (Draht-Schmiele), Festuca altissima (Wald-Schwingel), Hieracium murorum (Wald-Habichtskraut), Luzula luzuloides subsp. luzuloides (Gewöhnliche Weißliche Hainsimse), Luzula pilosa (Frühlings-Hainsimse), Luzula sylvatica (Wald-Hainsimse), Maianthemum bifolium (Zweiblättrige Schattenblume), Milium effusum (Flattergras), Oxalis acetosella (Wald-Sauerklee), Poa nemoralis (Hain-Rispengras), Polygonatum verticillatum (Quirl-Weisswurz), Pteridium aquilinum (Adlerfarn), Vaccinium myrtillus (Heidelbeere), Veronica officinalis (Wald-Ehrenpreis)

incl. Nitrophyten/Neophyten der Kraut- und Straucharten:
Galium aparine (Kletten-Labkraut), Heracleum mantegazzianum (Herkulesstaude), Impatiens glandulifera (Drüsiges Springkraut), Prunus serotina (Spätblühende Traubenkirsche), Reynoutria spec. (Staudenknöterich), Rubus sectio Rubus (Brombeere Sa.), Sambucus nigra (Schwarzer Holunder), Urtica dioica (Grosse Brennessel)

Unterverband: Luzulo-Fagenion - LFN-UV
Ass./Ges.: Luzulo luzuloidis-Fagetum - L-FA (Hainsimsen-Buchenwald)
Ass./Ges.: Periclymeno-Fagetum - P-FA (Eichen-Buchenwald)
Ass./Ges.: Maianthemo-Fagetum - M-FA (Flattergras-Buchenwald)
Ass./Ges.: Deschampsio flexuosae-Fagetum - DEF-FA (Planarer Drahtschmielen-Buchen-Wald)

Standörtlich naheliegende Missverständnisse:
Abgrenzung zu LRT 9130:
Wenn in Buchen- und Buchenmischwäldern die Arten des LRT Hainsimsen-Buchenwald (9110) dominieren und die Arten des Waldmeister-Buchenwaldes nicht frequent vorhanden sind, dann ist dieser Bestand dem LRT 9110 zuzuordnen. Wenn mindestens eine Art der Waldmeister-Buchenwälder mit mehr als 1% Deckung und m.o.w. verteilt in der Fläche vorkommt bzw. bei geringer Deckung der Krautschicht prägend in Erscheinung tritt (z.B. Melica uniflora), ist der Bestand trotz Vorhandensein von Luzula luzuloides und weiterer typischer Arten der Hainsimsen-Buchenwälder (LRT 9110) dem Waldmeister-Buchenwald (9130) zuzuordnen.
Abgrenzung zu LRT 9190:
Die Abgrenzung erfolgt über die bei LRT 9190 nur geringe oder fehlende Beteiligung der Buche (Anteil bis maximal 30%) am Aufbau der Baum- und Strauchschicht.

Dies sind Hinweise für die Kartierung, damit im Gelände die definitionsrelevanten Eigenschaften einer Biotoptypenfläche optimal erkannt und identifiziert werden kann.

Biogeographische Anmerkungen:

Link zur Verbreitungskarte:
http://ffh-bericht-2013.naturschutzinformationen.nrw.de/ffh-bericht-2013/de/nrw-bericht-karten/anhang-d/lrt/9110/atl

Aktuelle Änderungen der Kartiermethode:
2018-12-20: Bereich Biotoptypen "AU0 = Aufforstung, Pionierwald" ergänzt
2018-06: EZB: Änderungen im Feld Beeinträchtigungen
2016-05-09: ausnahmsweise LRT-Ansprache bei 30-50% Nadelholzanteil
2016-03-24: diagnostisch relevante Arten: Milium effusum ergänzt
2015-04-27: Bereich "Ausschließlich zulässige Biotoptypen": "AB5" gelöscht, da fehlerhafter Eintrag
2015-04-20: Bereich Biotoptypen: Wiederaufnahme "AB1"
März 2015: Änderungen im Bereich "Relevante Definitionen:"; Ergänzung "Ausschließlich zulässige NRW-Biotoptypen " AG2 = Sonstiger Laubmischwald mit mehreren heimischen Laubbaumarten ohne dominante Art

Biotopkataster - Kartierung:
Kartiergegenstand ist der Lebensraumtyp einschließlich seiner verschiedenen Alters- und Sukzessionsstadien.
Im Zuge der Abgrenzung von schutzwürdigen Biotopen sind Buchenwälder großflächig als Komplexe zusammenzufassen, sofern der Buchenwaldbiotopanteil größer als 50% ist. Waldrandstrukturen sind mit Waldmantel und Waldsäumen in die Abgrenzungen einzubeziehen. Bestände mit bis zu 30% nicht lebensraumtypischen Baumarten in der Baum- und Strauchschicht können noch eingeschlossen werden.
Für alle FFH-Gebiete, Naturschutzgebiete und für NSG-würdige Biotope werden alle Hainsimsen-Buchenwald-LRT mit der Biotoptypenkartierung erfasst (BT-Objekt anlegen) und im BK-Dokument aggregiert.
Bei Zutreffen der Kartierkriterien sind die Waldsäume mit Hochstaudenfluren des LRT 6430 separat zu erfassen.
Außerhalb von FFH-Gebieten, Naturschutzgebieten und NSG-würdigen Biotopen erfolgt eine Erfassung der übrigen Ausbildungen des Hainsimsen-Buchenwaldes als schutzwürdiger Biotop hier gemäß dem Schutzzielkonzept bzw. den jeweiligen Kartiervorgaben des LANUV. In diesem Fall werden die LRT-Ausbildungen im Biotopkatasterdokument mit dem LRT-Biotoptyp erfasst und mit einer Artenliste im Biotopkatasterdokument (BK-Objekt) abgelegt. Die Baumschicht ist in jedem Fall separat zu erfassen.

Biotoptypenkartierung

• in FFH-Gebieten, Naturschutzgebieten, Geschützten Biotopen, NSG-würdigen Biotopen:
Der Lebensraumtyp wird innerhalb von FFH-Gebieten, Naturschutzgebieten und naturschutzwürdigen Biotopen in jedem Fall der Biotoptypenkartierung unterzogen. Die Pflanzenarten sind mit ihren Häufigkeiten nach Schichten getrennt zu erfassen.
Kartierungsgegenstand ist der Lebensraumtyp mit allen Alters- und Sukzessionsstadien. Erstaufforstungen auf landwirtschaftlichen Flächen (Grünland, Acker) sind LRT, sobald in der Krautschicht lebensraumtypische Arten vorherrschen bzw. gleichzeitig nicht-lebensraumtypische Arten zurückgedrängt sind. Geschlossene Bestände ab Dickungsalter ohne Krautschicht sind dem LRT zuzurechnen.
Bei Vorhandensein von den Lebensraumtyp charakterisierenden Vorwald- und Pionierwaldstadien ist die Fläche entsprechend des vorliegenden Biotoptyps mit dem Zusatzcode „ Pionierwald“ zu codieren.
Die Ergebnisse werden in allen Fällen in Objekte des Fachkatasters „Schutzwürdige Biotope“ übertragen oder aggregiert.
Der FFH-LRT 9110 erfährt innerhalb von FFH-Gebieten eine Erhaltungszustandsbewertung einschließlich einer Dokumentation der Einzelparameter.
Außerhalb von FFH-Gebieten, Naturschutzgebieten und NSG-würdigen Biotopen ist eine Biotoptypenkartierung nicht erforderlich.
• in Maßnahmenkonzepten (MAKO)
In MAKOs erfolgt die Biotoptypenkartierung mit dem Ziel der Ableitung von Erhaltungs- und Entwicklungs-maßnahmen.
Außerhalb von Wäldern wird grundsätzlich flächendeckend kartiert. Bei Wäldern erfolgt eine BT-Kartierung in der Regel nicht flächendeckend, sondern beinhaltet eine normale BT-Kartierung der Lebensraumtypen gemäß FFH-Richtlinie und der § 30/42 – Biotope sowie eine im Aufwand reduzierte Erfassung von „Entwicklungsflächen“. Unter Entwicklungsflächen werden Bereiche jenseits von LRT und § 30/42-Biotoptypen verstanden, in denen innerhalb des Planungszeitraumes Maßnahmen zur Entwicklung in Richtung LRT oder § 30/42 Biotop durchgeführt werden sollen/können. In den Entwicklungsflächen werden nur der jeweilige Haupt-Biotoptyp und die vorkommenden Wuchsklassen erfasst, um daraus handlungssteuernde Schlüsse ziehen zu können. Bei allen BTs sind auch Beeinträchtigungen zu erfassen und gemäß Arbeitsanleitung zu codieren. In den Wald-BT der Lebensraumtypen ist im Rahmen der Bewertung des Erhaltungszustandes die jeweils bestimmende Wuchsklasse aufzunehmen, die den Charakter des jeweiligen BTs ausmacht. Gleichzeitig sollen naturschutzfachliche Maßnahmenvorschläge festgehalten werden. Nähere Einzelheiten zum Vorgehen enthalten die zu den Fachthemen bereitgestellten Arbeitsanleitungen und EDV-Benutzerhandbücher unter: http://88.198.49.242/mako/install/
• in ÖFS-Flächen und im Biotop-Monitoring (BM):
Auf ÖFS- Untersuchungsflächen werden alle vorkommenden Biotoptypen flächenscharf, somit auch alle FFH-Lebensraumtypen, erfasst und kartiert. Benachbarte unterschiedliche Strukturtypen desselben Biotoptyps werden gesondert erfasst. Die Erfassung von Biotopkomplexen bzw. Kettenbiotopen ist nicht zulässig. Weitere Strukturparameter, die immer erhoben werden müssen, sind:
- Biotopwert
- Bestandesstrukturen
- Sonderstrukturen (aus historischer Nutzung)
- Nutzungseigenschaften
- Wuchsklassen
- Wasserhaushalt
- Sonderstandort
- Beeinträchtigungen
- Maßnahmen
- Deckung der Pflanzenarten, getrennt nach 1.- und 2. Baum- Strauch- und Krautschicht

Im Biotopmonitoring (BM) NRW wird dieser Lebensraumtyps aufgrund der Häufigkeit des Vorkommens nicht erfasst.


Alle Wälder gehören nicht zur Agrarlandschaft und werden daher im Rahmen des High Nature Value Farmland- Indikators (HNV) mit 0 bewertet.
Ausnahme: Kleingehölze < 1 Hektar können in ihrer Ausprägung als „Feldgehölze“ gezählt werden. Sie gehören damit zur Agrarlandschaft.

LINK zur Kartieranleitung ÖFS/BM:
http://methoden.naturschutzinformationen.nrw.de/methoden/web/babel/media/oefs-erhebungsb%C3%B6gen.zip

LINK zur Bewertungsmatrix:
https://www.lanuv.nrw.de/natur/eingriffsregelung/numerische_bewertung_von_biotoptypen/