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Kartieranleitungen in Nordrhein-Westfalen


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Steckbrief des Biotop- und Lebensraumtypenkatalog NRW

NDB0 Feuchtheiden =§30

Dies sind Eigenschaften eines LRT, die insgesamt erfüllt sein müssen, damit ein konkreter Bestand bzw. eine Biotoptypenfläche einem Lebensraumtyp zugeordnet werden kann. Zu den Definitionskriterien gehören (Prioritätenreihenfolge): die relevanten Definitionen, die Standörtlichen Angaben, die ausschließlich zulässigen Biotoptypen, die obligat zutreffenden Eigenschaften (als Zusatzcode), die diagnostisch relevanten Arten, die typischen Syntaxa sowie die Beachtung der Abgrenzungen gegenüber verwandten Lebensraumtypen.

ist eingeschlossen in § 30 BNatSchG: 2. Moore, Sümpfe, Röhrichte, Großseggenrieder, seggen- und binsenreiche Nasswiesen, Quellbereiche, Binnenlandsalzstellen; 3. offene Binnendünen, offene natürliche Block-, Schutt- und Geröllhalden, Lehm- und Lösswände, Zwergstrauch-, Ginster- und Wacholderheiden, Borstgrasrasen, Trockenrasen, Schwermetallrasen, Wälder und Gebüsche trockenwarmer Standorte

Bundesnaturschutzgesetz § 30 Gesetzlich geschützte Biotope: 2. Moore, Sümpfe, Röhrichte, Großseggenrieder, seggen- und binsenreiche Nasswiesen, Quellbereiche, Binnenlandsalzstellen; 3. offene Binnendünen, offene natürliche Block-, Schutt- und Geröllhalden, Lehm- und Lösswände, Zwergstrauch-, Ginster- und Wacholderheiden, Borstgrasrasen, Trockenrasen, Schwermetallrasen, Wälder und Gebüsche trockenwarmer Standorte

Bundesnaturschutzgesetz § 30 Gesetzlich geschützte Biotope: Moore
Vom Regen- oder Mineralbodenwasser abhängige Lebensgemeinschaften auf Torfböden in natürlichem oder naturnahem Zustand einschließlich bestimmter Degenerations- und Regenerationsstadien. Überwiegend waldfreie Formationen aus moortypischer Vegetation. Dazu gehören: Hoch- und Übergangsmoore einschließlich Moorwälder, z.B. aus Birke (Betula pubescens, B. carpatica), Waldkiefer (Pinus sylvestris), Spirke (Pinus rotundata), Latsche (Pinus mugo), Fichte (Picea abies), ferner Schwingrasen, Moorkolke, regenerierende Torfstiche, pfeifengras-, zwergstrauch- und moorbirkenreiche Hochmoordegenerationsstadien, weiterhin intakte, völlig oder überwiegend unbewaldete Niedermoore (z.B. Seggenriede, Röhrichte, Weidenbüsche auf Torfböden) sowie Komplexe aus diesen Einheiten (Utricularietea intermedio-minoris, Scheuchzerio-Caricetea nigrae p.p., Oxycocco-Sphagnetea, Vaccinio-Piceatea p.p.).
Zwergstrauch-, Ginster- und Wacholderheiden
Von Zwergsträuchern, namentlich Heidekrautgewächsen, dominierte Pflanzenformationen, z.T. mit eingestreuten Wacholder- oder Besenginstergebüschen, auf überwiegend bodensauren Standorten vom Flachland bis in die alpine Stufe der Hochgebirge (Ericion tetralicis, Vaccinio-Genistetalia, Loiseleurio-Vaccinietea, Caricetea curvulae, Empetrion nigri). Neben natürlichen Vorkommen auf Dünen, Felsen, Blockhalden, in Mooren und im alpinen Bereich handelt es sich vorwiegend um anthropozoogene Ersatzgesellschaften zumeist bodensaurer Wälder, die durch extensive Beweidung, Plaggenhieb und gelegentliches Abbrennen oder durch Brachfallen von Magerwiesen entstanden sind. Kennzeichnende dominierende Pflanzenarten sind z.B. Heidekraut (Calluna vulgaris), Glockenheide (Erica tetralix), Krähenbeere (Empetrum nigrum), Heidelbeere (Vaccinium myrtillus), Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea), Rauschbeere (Vaccinium uliginosum), Alpenrose (Rhododendron ferrugineum), Alpen-Bärentraube (Arctostaphylos alpina), Wacholder (Juniperus communis).

Definition für NRW (gilt im Zusammenhang mit den u.st. definitorischen Rubriken): Zwergstrauch- und Moorbirken-reiche Hochmoordegenerationsstadien sowie Zwergstrauchheiden mit von Heidekrautgewächsen dominierten Pflanzenformationen, auf überwiegend bodensauren Standorten (Ericion tetralicis, Vaccinio-Genistetalia, Empetrion nigri). Neben natürlichen Vorkommen auf Dünen und in Mooren handelt es sich vorwiegend um anthropogene Ersatzgesellschaften zumeist bodensaurer Wälder, die durch Beweidung, Plaggenhieb und gelegentliches Abbrennen oder durch Brachfallen von Magerwiesen entstanden sind. Kennzeichnende dominierende Pflanzenarten sind z.B. Heidekraut (Calluna vulgaris), Glockenheide (Erica tetralix), Krähenbeere (Empetrum nigrum), Heidelbeere (Vaccinium myrtillus), Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) und Rauschbeere (Vaccinium uliginosum).
Als LRT NDB0 Feuchtheiden werden nur solche Biotope kartiert, die nicht den Kartierungskriterien des FFH-Lebensraumtyps 4010 „Feuchte Heiden des nordatlantischen Raums mit Erica tetralix“ entsprechen. Unter den FFH-Lebensraumtyp 4010 fallen nur die atlantisch geprägten Feuchtheiden mit Vorkommen von Erica tetralix (mindestens 1 Prozent Deckung).
Die Südostgrenze des europäischen Verbreitungsgebietes der Glockenheide (Erica tetralix) verläuft durch Nordrhein-Westfalen. In den Feuchtheiden im mittleren und südöstlichen Teil des Süderberglandes ist die Glockenheide sowie weitere Arten der atlantischen Heiden wie Gentiana pneumonanthe, Lycopodiella inundata, Molinia caerulea, Narthecium ossifragum und Trichophorum germanicum an ihrer Verbreitungsgrenze natürlicherweise nur noch äußerst selten anzutreffen. Diese Biotope werden deshalb i.d.R. schon als LRT NDB0 kartiert. Feuchtheiden ohne Erica tetralix werden in jedem Fall als LRT NDB0 kartiert.
In den östlichen kontinentaleren Feuchtheiden findet man an Stelle der atlantischen Arten große Anteile anderer Zwergsträucher wie Preißelbeere (Vaccinium vitis-ideae), Heidelbeere (Vaccinium myrtillus), Besenheide (Calluna vulgaris) und am Rande von Hangquellmooren Moosbeere (Vaccinium oxycoccos) sowie selten die Moorbeere (Vaccinium uliginosum). An torfmoosreichen Stellen wächst häufiger der Sprossende Bärlapp (Lycopodium annotinum). Ggf. vorkommender Sonnentau bevorzugt offene Rohböden in Mooren und profitiert von Bodenverletzungen, wie sie durch Wildschweinsuhlen im Moor auch natürlicherweise entstehen. Historisch entstanden solche offenen Torfböden in den Mooren durch die Handmahd des Pfeifengrases. Wenn Moor-Randbereiche wieder beweidet werden, werden die konkurrenzschwachen Feuchtheide-Arten gefördert. Derartige kontinental geprägten Feuchtheiden sind als LRT NDB0 zu fassen.

Verlust des LRT-Status:
Deckung der Ericaceen (v.a. Calluna, Erica, Vaccinium) größer als 10% sowie Deckung von Torfmoosen mindestens 1%.
Die Deckung von Störzeigern höchstens 50%.

Auf feucht- bis wechselnassen, bodensauren, nährstoffarmen Anmoorgleyböden, sandig-anmoorigen Böden oder mäßig mächtigen Moorböden. Die Vorkommen sind grundwasserbeeinflusst oder liegen in niederschlagsreichen Gebieten. Typische Standorte des Lebensraumtyps sind Ränder von Hangquellmooren auf nährstoff- und basenarmen, oberflächlich stark humosen Mineralböden bis gering mächtigen Torfböden (Moorpodsol). Das hoch anstehende Grundwasser ist stark schwankend und steigt zeitweise im Winterhalbjahr bis über die Bodenoberfläche an.

DB0 = Feuchtheide
DB1 = Zwergstrauch-Feuchtheide
DB2 = Pfeifengras-Feuchtheide

keine

os = gesellschaftstypische Artenkombination vorhanden, sta = basenarm, sto = auf feucht-nassem Standort, str = Torfsubstrat, th = torfmoosreich

a) Gefäßpflanzen:
Calluna vulgaris (Besenheide), Carex nigra (Braune Segge), Carex panicea (Hirse-Segge), Drosera rotundifolia (Rundblättriger Sonnentau), Empetrum nigrum (Krähenbeere), Eriophorum angustifolium (Schmalblättriges Wollgras), Eriophorum vaginatum (Scheiden-Wollgras), Juncus bulbosus (Zwiebel-Binse), Juncus squarrosus (Sparrige Binse), Lycopodiella inundata (Gemeiner Moor-Bärlapp), Lycopodium annotinum (Sprossender Bärlapp), Molinia caerulea (Pfeifengras), Scutellaria minor (Kleines Helmkraut), Vaccinium uliginosum (Moorbeere), Vaccinium vitis-idaea (Preiselbeere)
b) Moose:
Cephalozia connivens (Moor-Kopfsprossmoos), Cephalozia macrostachya (Grossähriges Kopfsprossmoos), Cladopodiella francisci (Heide Fusssprossmoos), Ptilidium ciliare (Grosses Federchenmoos), Sphagnum affine (Kamm-Torfmoos), Sphagnum compactum (Dichtes Torfmoos), Sphagnum denticulatum var. inundatum (Untergetauchtes Torfmoos), Sphagnum fallax (Trügerisches Torfmoos), Sphagnum molle (Weiches Torfmoos), Sphagnum papillosum (Warziges Torfmoos), Sphagnum subnitens (Feder-Torfmoos), Sphagnum subsecundum (Einseitswendiges Torfmoos)

Verband: Vaccinion myrtilli - VMYN-V (fragmentarisch, torfmoosreiche Ausbildungen)
Ass./Ges.: Vaccinio-Callunetum - V-CAL (torfmoosreiche Ausbildungen)
Verband: Ericion tetralicis - ERN-V fragmentarisch
Ass./Ges.: Ericetum tetralicis - ETET fragmentarisch
Ass./Ges.: Sphagno compacti-Trichophoretum germanici - S-Tr fragmentarisch

Standörtlich naheliegende Missverständnisse:
Abgrenzung zu 4030:
Die Abgrenzung zum LRT 4030 Zwergstrauchheiden erfolgt über die torfmoosreiche Ausprägung der NDB0-Feuchtheiden.
Abgrenzung zu 6230:
Die Abgrenzung zu den 6230 Borstgrasrasen erfolgt über Deckung der Ericaceen (v.a. Calluna, Erica, Vaccinium) >10 % bei den NDB0-Feuchtheiden.
Abgrenzung zu 7110/7120:
Es gibt fließende Übergänge zu den Übergangs- und Hochmooren (Erico-Sphagnetum magellanici). Treten charakteristische Hochmoorarten mit mehr als 1% Deckung (inklusive der Hochmoortorfmoosarten) auf, ist ein Hochmoor-LRT [7110/7120/NCA0] auszuweisen. Typisch für den LRT NDB0 ist in der Regel Mineralbodenanschluss oder eine nur geringe Rohhumus- bzw. Torfauflage.
Abgrenzung zu 91D0:
Bei einer Gesamtdeckung von über 50% Moorbirken und einer frequenten Verteilung von Torfmoosen bei einer Deckung von über 10% handelt es sich um den LRT 91D0 Moorwälder.
Abgrenzung zu 7150:
Der LRT 7150 Moorschlenken-Pioniergesellschaften unterscheidet sich durch Artengemeinschaften des Rhynchosporion.

Dies sind Hinweise für die Kartierung, damit im Gelände die definitionsrelevanten Eigenschaften einer Biotoptypenfläche optimal erkannt und identifiziert werden kann.

Biogeographische Anmerkungen:

keine

Aktuelle Änderungen der Kartiermethode:
März 2015: Anpassung im Bereich "Diagnostisch relevante Pflanzenarten in NRW": Sphagnum inundatum--> Sphagnum denticulatum var. inundatum

Biotopkataster - Kartierung:
Der Lebensraumtyp ist immer als Schutzwürdiger Biotop zu erfassen. Kartiergegenstand ist der Lebensraumtyp einschließlich weiterer Heide- und Moorlebensräume im Umfeld sowie der Moordegenerationsstadien mit Molinia.

Biotoptypenkartierung

• in FFH-Gebieten, Naturschutzgebieten, Geschützten Biotopen, NSG-würdigen Biotopen:
Der Lebensraumtyp NDB0 wird in jedem Fall der Biotoptypenkartierung unterzogen.
Die Ergebnisse werden in allen Fällen als Gesetzlich geschützter Biotop gekennzeichnet.
Der LRT NDB0 erfährt keine Erhaltungszustandsbewertung (kein FFH-LRT).
• in Maßnahmenkonzepten (MAKO)
Bestandserfassungen im Rahmen von MAKO sind in der Regel nur in FFH- und Naturschutzgebieten relevant. Im Kern beinhalten diese Bestandserfassungen die für die Dokumentation der FFH-Gebiete bekannten Biotoptypenkartierungen und Erhaltungszustandsbewertungen.
Außerhalb von Wäldern wird allerdings, abgesehen von gesonderten Absprachen, grundsätzlich flächendeckend kartiert. Besonderes Augenmerk ist außerdem darauf zu richten, dass die erfassten Daten auch als Grundlage für die Ableitung von Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen dienen sollen. Bei den BT sind daher auch Beeinträchtigungen und, soweit bekannt, bereits durchgeführte Maßnahmen (Vertragsnaturschutz) zu erfassen und gemäß Arbeitsanleitung zu codieren.
Naturschutzfachliche Maßnahmenvorschläge sind nicht originärer Bestandteil der BT-Kartierung, sondern werden im Rahmen der Maßnahmenplanung gesondert erfasst und in der Objektklasse „Maßnahmen“ codiert. Nähere Einzelheiten zum Vorgehen bei Maßnahmenkonzepten enthalten die Arbeitsanleitungen und EDV-Benutzerhandbücher.
• in ÖFS-Flächen:
Auf ÖFS-Untersuchungsflächen werden alle vorkommenden Biotoptypen flächenscharf, somit auch alle FFH-Lebensraumtypen, erfasst und kartiert. Jede schutzwürdige Feuchtheide wird als homogene Fläche kartiert. Benachbarte unterschiedliche Strukturtypen desselben Biotoptyps werden gesondert erfasst. Die Erfassung von Biotopkomplexen bzw. Kettenbiotopen ist nicht zulässig. Weitere Strukturparameter, die immer erhoben werden müssen, sind:
- Biotopwert
- HNV-Wert
- Nutzungsintensität
- Wasserhaushalt
- Sonderstandort

Im Biotopmonitoring (BM) wird der LRT NDB0 nicht kartiert.

LINK zur Kartieranleitung ÖFS/BM:
http://methoden.naturschutzinformationen.nrw.de/methoden/web/babel/media/oefs-erhebungsb%C3%B6gen.zip

LINK zur Bewertungsmatrix:
https://www.lanuv.nrw.de/natur/eingriffsregelung/numerische_bewertung_von_biotoptypen/